Der „Tempel“ wird 200 Jahre alt

Das Gebäude, das wir heute „Künstlerhaus Kroe“ nennen, wird am 18. September auf den Tag genau 200 Jahre alt. Das ist zwar kein exorbitant hohes Alter aber ein doch beachtenswertes. In diesen zwei Jahrhunderten hat das Gebäude Höhen und Tiefen durchlebt.

Die nachvollziehbare historische Vergangenheit

Das Grundstück, auf dem der „Tempel“ steht, hat einst zum benachbarten Hof Meyer Nolte gehört, der erst vor ein paar Jahren abgerissen wurde. Er war der kleinste der drei Borgholzhausener Meyerhöfe, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und darauf hin später parzellenweise verkauft wurde. Einen beachtlichen Teil davon kaufte der Neubauer Heinrich Wilhelm Kötting, der auf dem Gelände „Am Tempel“ ein Colonat errichtete mit  einem Haupthaus und diesem Kotten. Drei Jahre nach dem Bau  verunglückte der Bauherr tödlich, als er in der Dunkelheit vom Wege abkam und in eine Steinkuhle stürzte. Seine Frau und Erbin verkaufte ein paar Jahre später das gesamte Anwesen an Johann Henrich Knemeyer. Über drei Generationen blieb das Anwesen im Familienbesitz.

Um 1900 wurde das repräsentative Wohnhaus aus Barnhausener Muschelkalk für die Familien Knemeyer/Schlömann errichtet. Der Kotten (hinten rechts) verfiel im Laufe der Zeit.

In der vierten Generation  heiratete  Auguste  Knemeyer, eine Tochter des Hauses, den Piumer Leinenhändler Friedrich Schlömann. Das Paar bekam vier Kinder, von denen die Musiklehrerin  Gertrud (genannt Trudi) im Wege der Erbteilung den Kotten mit einigen Ländereien erhielt. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Kunstmaler Walter Krömmelbein (Kroe), bekam sie in den letzten Kriegsjahren ihre drei Kinder. Im November 1945 kehrte Walter Krömmelbein aus französischer Kriegsgefangenschaft heim.

1947 baute das Paar das Heuerlingshaus zu einem schmucken kleinen Wohnhaus um.  Seine Vorstellungen, wie die Enge des kleinen Hauses räumlich aufgeteilt und gestaltet werden sollte, damit eine fünfköpfige Familie darin Platz finden konnte, zeigt Kroe in einer kleinen Fibel, die er seiner Trudi gewidmet hat. Trotz der räumlichen Enge war das Gebäude ein offenes Haus, in dem sich häufig Kunstinteressierte zu musikalischen Veranstaltungen zusammenfanden. Bis ins hohe Alter hinein gab Trudi Piumer Kindern Klavier- und Flötenunterricht.

Bis zu ihrem Tode (Kroe 1988, Trudi  1994) blieben beide Eltern in dem Häuschen wohnen. Die drei Kinder waren ausgezogen und in aller Welt verstreut. 2016 brachten sie das gesamte Anwesen und sämtliche Kunstwerke Kroes, soweit sie sich in ihrer Verfügung befanden, in die neu gegründete gemeinnützige Kroe-Stiftung ein. Eine Handvoll Piumer nahm sich dieses Vermächtnisses an.

Zurück zum Baujahr 1823 und zum Torbogen

Am Donnerstag, den 18. September 1823, wurde das Fachwerk des Kottens aufgerichtet. Das dauerte in der Regel einen Tag. Das Bauholz lag passgenau bereit. Der Torbogen war mit einer Inschrift versehen. Einzig das genaue Datum stand noch nicht fest. Das Jahr 1823 war klar, aber noch nicht der Monat und der genaue Wochentag. Das kann man heute noch an der Inschrift erkennen. Sie stammen von anderer Hand. Das Richtfest war damals ein großes Ereignis. Alle Nachbarn mussten mit Hand anlegen. Dafür gab es am Abend nach vollendeter Arbeit etwas zu essen und vor allen Dingen etwas zu trinken. Diesen Brauch pflegen die Zimmerleute noch heute, aber meistens wohl in sehr bescheidenerem Rahmen. Ein Richtfest war damals schon etwas Besonderes.

Diese kleine Feier wollen wir am Vorabend des 18. Septembers 2023 im Anschluss an die „Offene Gartenpforte“ am Sonntag, den 17. September 2023 um 18.00 Uhr mit einem kleinen Umtrunk gegen einen bescheidenen Obolus in Erinnerung rufen. Dazu sind alle Freunde Kroes und deren Freunde eingeladen.

Das Kroe-Haus ist an den beiden kommenden Sonntagen für Besucher geöffnet:

  • Sonntag, 10. September – Tag des offenen Denkmals – von 14.00 bis 17.00 Uhr mit einem geschichtlichen Fachvortrag zur Bauzeit des Hauses.
  • Sonntag, 17. September – Tag der offenen Gartenpforte – von 11.00 bis 18.00 Uhr. Zum Abschluss Umtrunk zum Vorabend des 200sten Geburtstages des Hauses.
  • An diesem Tag ist auch der Nachbargarten von Gabi Meyer Wilms und Gerhard Schlömann geöffnet. Dort gibt es Kaffee und Kuchen.

An beiden Tagen führen Mitglieder der Kroe-Stiftung in die Themen ein und stehen für Auskünfte zur Verfügung.

Zwei Aquarelle von Kroe

Eingangseite
Diele: Blick zur Tür

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